TA, Hydration und Bäckerprozente – richtig gerechnet, auch mit Sauerteig und Vorteig
Drei Kennzahlen beschreiben einen Teig auf einen Blick: Bäckerprozente, Teigausbeute (TA) und Hydration. Bei einem einfachen Weizenteig aus Mehl, Wasser, Salz und Hefe sagen TA und Hydration dasselbe. Sobald Sauerteig, Vorteige, Milch oder Ei ins Spiel kommen, gehen sie auseinander – und genau da passieren in der Backstube die Rechenfehler.
Bäckerprozente: alles im Verhältnis zum Mehl
Das Mehl ist immer 100 %. Jede andere Zutat wird als Anteil am Mehl angegeben:
| Baguette | Gramm | Bäckerprozent |
|---|---|---|
| Weizenmehl W700 | 1 000 g | 100 % |
| Wasser | 680 g | 68 % |
| Salz | 20 g | 2 % |
| Hefe | 5 g | 0,5 % |
Der Vorteil: Das Rezept passt für jede Menge. Für 25 kg Mehl bleiben die Prozente gleich – 17 kg Wasser, 500 g Salz, 125 g Hefe. Und du siehst sofort, ob ein Teig weich, salzig oder hefelastig ist, ohne die Gramm umzurechnen.
Teigausbeute (TA): Mehl plus Flüssigkeit
Die TA sagt, wie viel Teig aus 100 Teilen Mehl entsteht, wenn man nur Mehl und Flüssigkeit zählt:
Beim Baguette oben: (1 000 + 680) ÷ 1 000 × 100 = TA 168. Faustregel: TA 150 ist ein fester Teig (Lievito Madre), TA 160–170 ein klassischer Weizenteig, TA 180 und mehr ein weicher Teig wie Ciabatta oder ein Roggenteig.
Hydration: nur das Wasser
Die Hydration zählt nur das Wasser – auch das Wasser, das in anderen Zutaten steckt:
Bei einem Teig aus Mehl und Wasser ist das dieselbe Zahl wie die TA minus 100: TA 168 = 68 % Hydration.
Wann TA und Hydration auseinandergehen
Bei Milch, Ei oder Butter. Klassisch zählt man Milch und Ei bei der TA als Flüssigkeit – sie bestehen aber nur zum Teil aus Wasser (Milch etwa 87 %, Ei etwa 75 %).
Beispiel Milchbrötchen: 1 000 g Mehl, 500 g Milch, 100 g Ei, 100 g Butter.
- TA = (1 000 + 500 + 100) ÷ 1 000 × 100 = TA 160
- Hydration ≈ (435 g aus der Milch + 75 g aus dem Ei + etwa 16 g aus der Butter) ÷ 1 000 ≈ 53 %
Darum fühlt sich ein Milchteig mit TA 160 deutlich fester an als ein Wasserteig mit TA 160. Wer Rezepte vergleicht, sollte wissen, welche der beiden Zahlen gemeint ist.
Der häufigste Fehler: Vorteig und Sauerteig vergessen
Sauerteig, Levain, Poolish und Biga enthalten Mehl und Wasser. Wer TA und Hydration nur auf das Mehl im Hauptteig rechnet, liegt daneben.
Beispiel: 10 Tartine-Laibe
| Hauptteig | Gramm | Bäckerprozent (aufs Mehl im Hauptteig) |
|---|---|---|
| Manitoba | 4 500 g | 90 % |
| Vollkornmehl | 500 g | 10 % |
| Wasser | 3 750 g | 75 % |
| Levain (TA 200: 500 g Mehl + 500 g Wasser) | 1 000 g | 20 % |
| Salz | 100 g | 2 % |
Auf dem Papier sieht das nach 75 % Hydration aus. Gerechnet aufs ganze Mehl:
- Mehl gesamt: 5 000 g + 500 g aus dem Levain = 5 500 g
- Wasser gesamt: 3 750 g + 500 g aus dem Levain = 4 250 g
- Hydration = 4 250 ÷ 5 500 = 77 %
- TA = (5 500 + 4 250) ÷ 5 500 × 100 = TA 177
- Salz = 100 ÷ 5 500 = 1,8 % (nicht 2 %)
- Versäuerter Mehlanteil = 500 ÷ 5 500 = 9 %
Zwei Prozentpunkte Hydration machen bei einem Sauerteigbrot den Unterschied zwischen „lässt sich gut formen“ und „läuft auseinander“. Und wer das Rezept hochrechnet und den Levain-Anteil ändert, verschiebt Hydration und Salz, ohne es zu merken.
Regel für die Backstube: Bäckerprozente der Rezeptkarte dürfen sich aufs Mehl im Hauptteig beziehen – das ist praktisch beim Abwiegen. TA, Hydration, Salz- und Sauerteiganteil rechnest du immer aufs gesamte Mehl, einschließlich aller Vorteige, Sauerteigstufen und Quellstücke mit Mehl oder Schrot.
Kurz zusammengefasst
| Kennzahl | Was zählt | Bezug |
|---|---|---|
| Bäckerprozent | jede Zutat | Mehl im Rezept = 100 % |
| TA | Mehl + alle Flüssigkeiten | gesamtes Mehl |
| Hydration | nur Wasser (auch aus Milch, Ei, Vorteig) | gesamtes Mehl |
So rechnet BakeDate
In BakeDate siehst du jedes Rezept in Gramm und Bäckerprozenten, so wie auf deiner Rezeptkarte. TA und Hydration rechnet BakeDate automatisch aufs gesamte Mehl – mit allen Vorteigen und Sauerteigstufen; ein ⓘ erklärt, wie die Zahl zustande kommt. Zutaten zum Bestreichen oder Bestreuen kannst du als „nicht im Teig“ markieren, dann zählen sie nicht mit. Beim Hochrechnen nach Stück, Teiggewicht oder Faktor wachsen die Vorteige mit.